Ein Regentropfen in der Wüste
   
  Der Regentropfen, der davon träumt Leben in die Wüste zu bringen.
  Er verlässt seine Mutter, die große Regenwolke,
  ebenso seine Brüder und Schwestern,
  die es nicht mehr wagen ihm zu folgen.
  Sie haben die Hoffnung aufgegeben
  jemals den Boden erreichen zu können.
   
  So stürzt er sich in die Tiefe,
  mit all seiner Kraft trotzt er der Hitze.
  Ganz alleine und doch so mutig.
  Wird von Meter zu Meter immer kleiner,
  hat einfach keine Chance gegen die Wüste.
   
  Nur kurz vor dem heißen Wüstensand,
  als er schon glaubte,
  er hätte sein Ziel endlich erreicht,
  merkte er, dass er schon verdunstete war.
   
  So fand er sich bei seiner Mutter wieder,
  ohne dass er die geringste Veränderung bewirkt hätte.
   
  Er hat den weiten Weg auf sich genommen,
  ohne Aussicht auf Erfolg
  und doch will er nicht Aufgeben,
  denn er weiß,
  eines Tages werden seine Geschwister im folgen.
  Wenn sie endlich erkannt haben,
  dass sie nur in der Gemeinschaft etwas erreichen können.
   
  Tag für Tag startet er immer wieder von neuem,
  lässt sich nicht entmutigen
  und ist damit ein Vorbild für alljene,
  die sich nicht trauen, ängstlich zurückbleiben
  und keinen Glauben in sich tragen.
   
  Der Kreis schließt sich
  und wird erst stillstehen,
  wenn er endlich die Anderen überzeugen konnte.
   
  Die Wüste wird grün leuchten, Blumen werden blühen
  und einen neuen Lebensraum für so viele schaffen.
  Für so viele,
  die den Kampf des kleinen Regentropfen nicht kennen
  oder zu schätzen wissen.
  Sie werden es als selbstverständlich hinnehmen,
  wie die meisten Dinge in ihrer Umwelt.
   
  Der Regentropfen hat keine Bedeutung mehr,
  hat sich für das Kollektiv geopfert.
   
  War er sich dem Preis bewusst,
  den er dafür zahlen musste?
  Oder hat er sich selbstlos geopfert?
   
  Geopfert um diesen neuen Lebensraum zu schaffen,
  für alle die nach im kommen werden.
   
  Werden und vergehen ist der Lauf der Welt.
  Irgendwann gerät alles in Vergessenheit.
  Ist es also wichtig wann?
  Dank und Lob für etwas, dass seine Aufgabe war?
  So etwas kennen und verlangen nur wir Menschen,
  weil wir uns für überlegen halten.
   
  Ich danke dem Regentropfen von ganzem Herzen,
  denn ich habe erkannt,
  dass ich ohne ihn nicht existieren kann.
   
  Ich rufe mein danke in die Welt,
  obwohl ich weiß,
  dass mir niemand zuhört.
  Doch mit der gleichen Energie,
  mit der, der Regentropfen mein Leben möglich gemacht hat
  werde auch ich weiterkämpfen.
   
  Der Kreis schließt sich
  und wird erst stillstehen,
  wenn alle Menschen erkannt haben,
  wie dankbar sie dem selbstlosen Regentropfen sein müssen.