Die Metamorphose der kleinen Raupe
   
  Es war einmal eine kleine Raupe,
  die nichts Böses im Sinn hatte.
  Sie kletterte auf einen Baum.
  Dabei wurde sie von einem Vogel entdeckt.
  Er schnappte nach ihr und verletzte sie.
  Mit all ihrer Kraft wehrte sich die kleine Raupe
  und der Vogel ließ sie fallen.
   
  Der Schmerz war fast unerträglich
  und sie versteckte sich in einem Astloch.
  Sie begann einen schützenden Kokon zu spinnen,
  der über die Jahre immer dichter und verworrener wurde.
  In ihm fühlte sie sich sicher.
   
  Manchmal klopfte jemand von außen an den Kokon
  und beschwor die kleine Raupe,
  sie möge bitte rauskommen und sich nicht verstecken,
  denn das Leben sei so schön
  und man möchte ihr gerne helfen.
  Die kleine Raupe hörte leider sehr oft darauf.
  Doch jedes Mal, wenn sie ihren Schutz ein Stück öffnete,
  entpuppten sich die lieben Helfer,
  die sich so viel Mühe gemacht hatten sie herauszulocken
  als hungrige Vögel.
  Die als sie ihre Chance sahen sofort zuschnappten.
  Sie schafften es zum Glück nie,
  die kleine Raupe aus ihrem Kokon zu ziehen.
   
   
  Aus Angst wob sie ihr schützendes Gefängnis
  noch härter und größer.
  Sie vergrub sich tief im Innersten und bemerkte nicht,
  was sie alles verpasste
  und wagte es nicht ins Leben zurück zukehren.
  Als eines Tages eine ebenso ängstliche
  und verletzte Raupe um Hilfe rief.
  Erkannte die kleine Raupe die Not
  und öffnete Schicht für Schicht ihre schützende Hülle.
  Je näher ihr der Gast kam,
  desto mehr schloss sie ihn in ihr Herz.
   
  Doch der lieb gewonnene Gast
  wusste die Freundschaft nicht zu schätzen.
  Sie suchte nur einen sicheren Zufluchtsort.
  Das machte die kleine Raupe sehr traurig
  und sie bat ihren Gast zu gehen.
  Der wurde sehr böse
  und zerstörte den Kokon,
  in den die kleine Raupe so viel Zeit
  und Energie gesteckt hatte.
   
  Ihr blieb nichts anderes übrig,
  als einen Neuen zu spinnen.
  Einer, der sie so lange beschützt,
  bis sie ihn als Schmetterling wieder verlassen wird.